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Häufige Sitzfehler Beim Reiten Von Seitengängen Und Wendungen [inklusive 3 Übungen]

Häufige Sitzfehler beim Reiten von Seitengängen und Wendungen [inklusive 3 Übungen]

Zu den Seitengängen beim Reiten gehören alle Seitwärtsbewegungen, bei denen das Pferd gestellt und gebogen ist – also Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen. Der Grundstein für diese Lektionen ist, dass das Pferd sowohl auf treibende als auch auf verwahrende Hilfen fein reagiert. Dafür ist wiederum unerlässlich, dass der Reiter seine Hilfen fein abgestimmt geben kann und in der Lage ist, mit seinem Oberkörper und seiner Hüfte in der (Seitwärts)Bewegung mitzugehen, ohne dabei aus der Balance zu kommen. Gleiches gilt für das Reiten von Wendungen – auf dem Zirkel, auf Volten, in Ecken. Die beiden häufigsten Sitzfehler, die in Seitengängen und Wendungen auftauchen, sind das Einknicken in der Hüfte und damit einhergehend die falsche Gewichtsbelastung im Sattel sowie eine starre Handhaltung und steife Schulterposition, die das Pferd entweder am äußeren Zügel blockiert oder am inneren Zügel zu stark einwirkt und das Pferd daran hindert, sich korrekt zu stellen. Ursache sind häufig die Zentrifugalkräfte, die den Reiter „nach außen setzen“ und er in der Folge versucht, sich „dagegen zu setzen“ und dabei in der Hüfte einknickt.

Darum ist Rumpfstabilität für Reiter so entscheidend

Damit der Reiter nicht seitlich einknickt, ist die Rumpfstabilität entscheidend. Der Rumpf beschreibt den Bereich zwischen Hüften und Schultern, der aus allen Muskeln der Bauchwand besteht – gerade Bauchmuskeln, querverlaufende Bauchmuskeln sowie innere und äußere schräge Bauchmuskeln –, den Multifidi, dem Quadratum Lumborum, dem Erector Spinae und den Muskeln, die den Schultergürtel stabilisieren. Der Latissimus dorsi und der Iliopsoas können ebenfalls mit einbezogen werden, da sie über den Rumpf verlaufen und diesen mit dem Becken-Hüfte-Bein- sowie dem Schulter-Arm-Komplex verbinden. Auch die Gesäßmuskeln spielen wegen ihrer anatomischen Lage und den biomechanischen Synergien, die sie mit dem Becken bilden, eine Schlüsselrolle und wirken als primäre Kraftgeneratoren und Stabilisatoren.

„Einer der bedeutsamsten Muskeln stellt hier sicher der Transversus Abdominis, der querverlaufende Bauchmuskel, dar“, erklärt Fitnessprofi Marcel Andrä. „Er legt sich wie ein natürlicher Stützgürtel um deine Taille. Wenn der Bauchnabel Richtung Wirbelsäule und Rippen ein- und hochgezogen wird, zieht sich dieser Gürtel strammer zusammen und stabilisiert so das Becken, schützt unsere Lendenwirbelsäule, unterstützt den Rumpf und hilft seitliches Einknicken zu verhindern. Oft ist dieser Muskel allerdings stark abgeschwächt.“ Aber reitspezifische Anforderungen und Aufgaben stehen in direkter Verbindung mit einer korrekten Haltung und Technik. Deshalb muss im Rumpf Spannung erzeugt werden können, damit diese Kraft durch eine stabile Körpermitte übertragen werden kann. „Bewegungsabläufe verbessern sich, wenn Hüfte und Rumpf eine gewisse Körperspannung erzeugen können, die eine neutrale Position der Wirbelsäule auch in Bewegung aufrechterhält“, so Marcel Andrä. „Eine seitlich eingeknickte Wirbelsäule oder Hüfte stellt ein entsprechendes ,Energieleck‘ dar, wodurch die Fähigkeit des Rumpfes beeinträchtigt wird, Spannung zu erzeugen und zu übertragen.“ Beim Pferd äußern sich diese Sitzfehler häufig darin, dass es z.B. in den Wendungen über die äußere Schulter ausbricht oder sich auf sein inneres Vorderbein stützt, in den Seitengängen aus der Balance kommt, sich nicht korrekt stellen und biegen lässt, sich verwirft, den Takt und den Schwung verliert – die Liste lässt sich vorsetzen. „Beim Reiter können dauerhaft laterale und ventrale Wirbelsäulenflexionen außerdem zu Überlastung und damit potenziell zu Schädigungen führen, z.B. der Bandscheiben.“ Diese Aspekte zeigen: Wir können unsere reitsportliche Leistung, aber auch unsere alltägliche Leistungsfähigkeit verbessern, wenn der Rumpf gezielt mit Übungen trainiert wird, die sowohl den Rumpf stabilisieren und gleichwohl in diesem Bereich Spannung erzeugen. Das bedeutet: Die Rumpfmuskeln müssen spezifisch arbeiten, um unerwünschten Bewegungen entgegenzuwirken.

„Ein weiteres Schlüsselelement für eine optimale Körperhaltung sind die Schultern. Schultern würden auf natürliche Weise nach hinten unten fallen und so für eine perfekte aufrechte Ausrichtung sorgen. Jedoch entwickeln die meisten Menschen die Angewohnheit, die Schultern nach vorne oben zu schieben und im oberen Rücken rund zu werden. Sofern nichts aktiv dagegen getan wird, sinkt man immer weiter in sich zusammen oder schiebt die Schultern, oft auch nur einseitig, nach oben“, betont Marcel Andrä. Auch dafür gibt es effektive Übungen.

Drei Übungen zur Aktivierung der Rumpfmuskulatur und zur Lockerung des Schultergürtels

1. Pallof Press

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Ziel: Diese Übung hilft dir, eine starke Körpermitte zu entwickeln.

Ausführung: 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite.

Du stehst im Halb-Kniestand mit dem Superband, das auf der Seite deines aufgestellten Beines an einem stabilen Gegenstand befestigt ist. Der Zug kommt aus der Richtung, in der dein Bein aufgestellt ist. Du hältst deine Arme gestreckt vor der Brust. Führe deine Arme langsam über den Kopf und kehre dann wieder in deine Ausgangsposition zurück. Dein Oberkörper bleibt während der gesamten Übung stabil und aufrecht. Wiederhole diese Übung acht- bis zehnmal und wechsle dann die Seite.

TIPP: Die Intensität kannst du durch die Entfernung zum Befestigungspunkt des Superbandes gut variieren – je weiter weg du dich positionierst, umso intensiver wird die Übung.

 

2. Seitstütz mit Rudern

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Ziel: Diese Übung trainiert die statischen Stabilität deines Rumpfes bei unabhängiger Bewegung der Arme und Mobilisierung des Schultergürtels

 Ausführung: 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite.

Starte im Seitstütz. Das Superband ist vor dir an einem stabilen Gegenstand befestigt. Dein unterer Ellbogen ist im 90 Grad-Winkel gebeugt – direkt unterhalb deiner Schultern, dein oberer Arm ist nach vorne gestreckt und greift das Superband. Deine Füße liegen übereinander (oder einfacher: hintereinander). Dein Oberkörper und deine Beine bilden eine Linie. Führe in dieser Position acht bis zehn langsame Ruderbewegungen durch, indem du deinen oberen Arm nach vorne streckst und dann den Ellenbogen dicht an deinem Körper nach hinten ziehst. Dann die Seite wechseln. Diese Übung wird anspruchsvoller und trainiert deine tiefe Rumpfmuskulatur und dein Gleichgewicht noch um einiges mehr, wenn du deine Beine auf der BLACKROLL®-Rolle ablegst.

Wichtig: Achte darauf, dass du den Seitstütz die ganze Zeit über stabil und korrekt halten kannst – also eine Linie vom Kopf bis zu den Füßen bildest, ohne in der Hüfte einzuknicken oder in den Schultern durchzuhängen. Wenn du die Seitstützposition nicht mehr sicher halten kannst, lege eine Pause ein.

 

3. Neutrale Wirbelsäule

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Lass die Schulterblätter auch im Alltag immer wieder bewusst nach hinten unten sinken, ohne dabei ins Hohlkreuz zu kommen oder das Brustbein zu stark nach vorne-oben zu drücken. Kontrolliere dich selber von der Seite im Spiegel, oder indem du eine Hand flach auf den Bauch und eine Hand flach auf deinen unteren Rücken legst. Ist deine vordere Rumpfseite genauso lang wie dein Rücken? Ist deine Wirbelsäule neutral aufgerichtet oder machst du ein Hohlkreuz oder einen Rundrücken? Kippen deine Schultern nach vorne oder drückst du dein Brustbein zu weit nach vorne raus? Ähnlich wie man beim Pferd davon spricht, dass Hinterhand und Vorderhand zusammengehören und miteinander arbeiten sollen, so sollte auch dein Brustkorb und dein unterer Rumpf eine stabile Einheit bilden können. Das gilt nicht nur für das Reiten selbst, sondern auch für den Alltag.

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